Über Geld und Spekulation sowie Kredit und Schuldenpolitik

Eine Laie schon weiß, das Geldentwertung etwas mit der ausgegebenen Geldmenge zu tun hat. Aber den meisten ist nicht bewusst, das es Geld (unter Fachleuten: Geldmenge M1), in zwei Formen gibt: Bargeld, erzeugt „aus dem nichts“ von der unabhängigen Bundesbank und gedruckt durch die Bundesdruckerei sowie Bankgeld, also die Summe aller Kredite im Umlauf, erzeugt „aus dem nichts“ durch abhängige private Banken und erzeugt „auf Knopfdruck“ auf dem Girokonto.

Und den wenigstens ist bewusst, dass (oft weit) weniger als 10% des Geldes heute Bargeld ist. Alles andere unterliegt der Gewinn maximierenden, heute (meist hochspekulativ) handelnden Finanzwirtschaft, die zudem globalisiert, wenig oder nicht besteuert und weitgehend unreguliert wirtschaften kann und darf. 

Diese „freie Finanzwirtschaft“ hat zunächst das Kapital für die Industrie- und Konsumgüterindustrie erweitert und so mehr Angebot und letztlich über den Konsum materiellen Wohlstand geschaffen. Heute jedoch fällt uns aufgrund der organisierten Verantwortungslosigkeit (Gier, Spekulation, Haftungsfreiheit) und der systembedingten Konzentration von Vermögen zu einem weltweit kaum fassbaren Schulden bei vielen und Vermögenskonzentrationen bei wenigen. 

Aus einer sinnvollen Kreditvergabe zur Ermöglichung von Produktion und einer sinnvollen Spekulation zur Preisfindung und fairem Warentausch wurde eine von der Realwirtschaft und der Mehrheit der Menschen entkoppelte Spekulation zur Preisfestsetzung, z.B. auf Rohstoffmärkten, und rücksichtslose Schuldenpolitik.

Aus demokratisch legitimierter und volkswirtschaftlich stabilisierender Geldwirtschaft wurde ein Spekulationsobjekt für verantwortungslose Finanzoptimierer und unregulierte Hedgefonds („Finanzkrise“). 

Aus einer den Wohlstand fördernden Finanzwirtschaft wurde ein den allgemeinen Wohlstand bedrohender Finanzfeudalismus („alternativlose Bankenrettung“). Man könnte sagen, dass in Sachen Geld- und Finanzwirtschaft die Volksvertreter zwar an der Regierung aber nicht an der Macht sind. 

Das bedroht letztlich die Handlungsfähigkeit der Menschen, Unternehmen und Staaten und damit letztlich Demokratie und Zusammenhalt. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, das am Ende Bürger oder Staaten in Auseinandersetzungen geraten wenn nicht sogar wirtschaftlich und gesellschaftlich zusammenbrechen.

Statt freier Marktwirtschaft haben wir die soziale Marktwirtschaft entwickelt und statt freier Finanzwirtschaft braucht es die regulierte Finanzwirtschaft. 

In die volkswirtschaftliche Analyse gehört wieder die monetäre Analyse, denn Wohlstand entsteht nicht nur aus der Bearbeitung „realwirtschaftlicher“ Faktoren wie Sachkapital, Arbeitskräfte und Produktivität. Die neueste Erfahrung zeigt, dass Finanzkrisen starke Steigerungen von Geld- und Kreditmengen vorausgehen und unreguliert diese Krisen befeuern.