Gesicht und Haltung zeigen

Es kann nicht sein, das Konsumismus, organisierte Rücksichtslosigkeit, Wirtschaftsysteme mit exponentiellen Wachstumszwang, verantwortungslose Schuldenpolitik, leistungslose Geldanhäufung, Handel ohne Moral und würdelose Sozialhilfe all die Errungenschaften der Demokratie, Menschenrechte und Humanität missachten und unseren Nachkommen Schulden- und Müllberge sowie Autokratien hinterlassen.

Solange das Pflegen von Maschinen mehr Anerkennung geniesst als das Pflegen von Menschen und wir mehr Erde verbrauchen als regenerierbar ist sind wir unserer Verantwortung als Bürger unter Bürgern nicht gerecht geworden.

In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Die Antworten sind so vielfältig wie die Menschen, Organisation und Kulturen auf dieser Welt. Doch allen gleich ist der Wunsch eine selbstbestimmtes Leben ohne Angst führen und die Wertschätzung seiner Mitmenschen geniessen zu können. 

Wir sind loyal zu einem Stamm, einem Unternehmen, einer Religion, einem Stand - aus welchen Gründen auch immer. Darauf aufbauend plädieren wir für unsere Überzeugungen, suchen nach Zustimmung und grenzen dabei oft Andersartiges aus. 

Viele gehen davon aus, man müsse, um Dinge und Menschen zu erreichen, erstere in Ordnung bringen und letztere verändern, statt an sich zu arbeiten. Wir denken und handeln dann autokratisch und treten mit mehr oder weniger Gewalt für unsere Überzeugungen ein. Wir sind von uns überzeugt und begegnen anderen mit Misstrauen. 

Die Alternative dazu ist, sich eigenem und fremden Denken mit Wertschätzung zu nähern und im Dialog zu erkennen, wo das Neubewerten von Haltungen und Gewissheiten eine für alle Betroffenen gerechtere und gewissenhaftere Gesellschaft schafft. Dann können wir von der Sache überzeugt sein und im Vertrauen einander begegnen. 

Der breite Dialog zwischen Gleichgesinnten und Andersdenken in einer Gesellschaft freier und gewissenhaft handelnder Bürger ist dafür unverzichtbar. Die auf breiter Zustimmung basierende demokratische Rechtsstaat ist der dazu notwendige gesellschaftliche Rahmen. 

Demokratie ist die Kunst als mündige Bürger gemeinsam zu denken. Ein mündiger Bürger sein heißt sich zur Verantwortung für sich, seine Nächsten und auch die Fernsten zu bekennen und so klug und fürsorglich wie nur möglich zu handeln. 

Wie sieht ein gutes Leben aus? Dazu haben wir alle eine Ansicht. Aber diese Vorstellungen zu realisieren überlassen wir oft anderen. Und die Erfahrung zeigt, dass unsere Stimme und unser Geld von den Gewählten und Machthabenden nimmt immer so eingesetzt werden, dass sich hinreichend gute Lebensverhältnisse und eine intakte Umwelt für alle Menschen ergeben.

Demokratie herrscht nicht wenn die Mehrheit der Bürger wählen geht, sondern wenn die Mehrheit der Bürger das Gemeinwesen gestaltet. Es bedeutet sich zu informieren und nicht nur zu glauben, seine Stimme zu erheben und nicht nur abzugeben, für seine Meinung einzutreten und sie nicht nur zu haben.